ab 1. Dezember: neues Gottesdienstmodell in Elias

Gottesdienst

Unser Traum – und: hallo Realität

Unser Traum, ganz ehrlich? Wir treffen uns, das Haus ist voll, aufgeregtes Stimmengesumm, Große und Kleine, Junge und Alte, Dünne und Dicke, Frauen und Männer und all die vielen anderen und alle zusammen und singen und beten und Bibel lesen und hören und auslegen und miteinander ins Gespräch kommen und mit den alten Texten genauso.

Gottesdienst  als regelmäßige Gemeindeversammlungsveranstaltung und zur Erdung und zum nach dem Himmel strecken – von allen, die kommen, als Reichtum wahrgenommen, eine Chance zur Begegnung mit den Menschen, die auch Elias sind, mit mir selbst und mit Gott und manchmal oder auch immer wieder auch mit dem Fremden, mit dem, was mich in Frage stellt, was nicht selbstverständlich ist.

Gottesdienst als Grundlage unseres Gemeindeseins, als Vergegenwärtigung der Befreiung, die uns in Christus geschenkt ist (hey, schon Israels Auszug hatte zuallererst mal das Ziel „mir (also dem EWIGEN) an diesem Ort zu dienen“ (Ex/2. Mose 3,12) – die ganze Befreiungsgeschichte, das Losziehen mit Sack und Pack und alles auf eine Karte setzen, um an einem Berg mitten im Nichts Gottesdienst zu feiern. Ver-rückt und deshalb biblisch, weil das große Geheimnis, das wir Gott nennen, die Dinge ver-rückt und uns damit auch (und manchmal schier verrückt macht) und wenn es wunderbar kommt, uns gerade darin und damit zurecht rückt – jedenfalls: Gottesdienst als Versammlung (griech.: Synagoge) aller, die auf Jesus von Nazareth als den Messias Gottes vertrauen – gut protestantisch ausgedrückt: Versammlung aller Heiligen, also aller Menschenkinder-Gottesbilder, deren Sehnsucht nach dem mehr-als-alles und der Welt, in der alle Menschen satt und in Frieden leben können, sie zusammenbringt und vereint, ganz unabhängig davon, wie gern sie sich haben…

Okay, genug geträumt – sonst heißt es: Klar, kein Wunder, die Pfarrerinnen und der Pfarrer (und das Presbyterium), die träumen sich das alles so schön zurecht. Stimmt, haben wir ja auch gleich zu Beginn gesagt – aber ohne Träumerei kämen wir alle nicht weiter und ohne Träumerei und ohne das eine und andere Ver-rücken und ver-rückt-sein wäre nie so etwas entstanden wie eine christliche Bewegung – und ohne den Traum, die Vision gar davon, die Bibel allen zugänglich zu machen, Menschen in Kontakt mit den biblischen Texten zu bringen, und ohne dass Menschen sich davon haben anstecken lassen, würden wir in diesem Jahr ganz gewiss nicht 500 Jahre Reformation feiern.

Aber na gut, weg vom Träumen, hin zu den Fakten… In Elias zählen wir zwar auch die Zahl der Gottesdienst-BesucherInnen jeden Sonntag, aber, in aller Vorsicht gesagt: Zu den von der EKD ermittelten Gesamtzahlen tragen wir doch nur einen verschwindend geringen Teil bei… „Rund 808.000 Menschen besuchen in Deutschland jeden Sonntag einen evangelischen Gottesdienst, an Weihnachten sind es sogar 8,4 Millionen. Die Teilnahme am Gemeindegottesdienst ist ein wesentlicher Ausdruck christlicher Frömmigkeit.“ (Quelle: www.ekd.de/Gottesdienst-feiern-10810.htm, 19.06.17) Da höre ich bei uns eher immer öfter die Stimmen, die fragen: Wo sind denn alle? Warum kommen die denn nicht in den Gottesdienst? Günter Weber, Elias-Presbyter und Mitglied im KSV, formuliert das so: „Der Trend ist schon seit vielen Jahren sichtbar: Die Zahl der Gottesdienstbesucher in unseren regulären Sonntagsgottesdiensten (z.Zt. drei, in Dorstfeld, Marten, und Oespel-Kley) nimmt langsam aber stetig ab. Zwar sind einige der neueren Formate, wie „Elias gemeinsam“, besser besucht, aber auf die „Abstimmung mit den Füßen“ bei den typischen Sonntags-Gottesdiensten wollen/müssen wir als Presbyterium doch reagieren. Zumal es auch für die PfarrerInnen nicht immer einfach ist, bei ständig steigenden Verwaltungsaufgaben diese Gottesdienste vorzubereiten und durchzuführen – vor ca. 10 Jahren waren es neun PfarrerInnen , vor 6 Jahren waren es sechs und heute 2017 sind es drei. Und die Gemeindegliederzahlen sind mitnichten in diesem Maße zurückgegangen.

Diese drei führen übrigens noch viele andere Gottesdienste durch; als Beispiel sei hier nur auf Schul- und Kitagottesdienste verwiesen, Gottesdienste im Altenheim, natürlich Kasualien, also Trauungen, Taufen – auch jenseits der Sonntags-Gottesdienste – und Beerdigungen – und wenn dann nur wenige Personen anwesend sind, stellt sich schon die Frage, ob das so weitergehen kann bzw. soll.“

Mit diesen Beobachtungen und Erfahrungen übrigens stehen wir überhaupt nicht alleine da. Dem hohen Stellenwert, den der Gottesdienst in kirchlichen Verlautbarungen hat, entspricht die Zahl der GottesdienstbesucherInnen zumindest in den städtischen und säkularisierten Gebieten mitnichten. Einmal noch die EKD: „Der Gottesdienst ist das zentrale Ereignis im Leben der christlichen Gemeinschaft. In der Versammlung wird Gottes Wort verkündigt und in der Predigt ausgelegt. Die Gemeinde antwortet mit Liedern, Gebeten und Bekenntnissen. In der Feier des Abendmahls wird der Bund mit Jesus Christus bekräftigt. Der Gottesdienst ist der Ort, um Gefühlen Raum zu geben. Lob und Dank haben ebenso ihren Platz wie Klage und Verzweiflung.“

Und jetzt? Was tun? Jammern hilft nicht – da machse nix, musste halt sehen, wie‘s geht. Also sehen wir doch. Davon jetzt mehr:

Gottesdienst feiern in Elias

Gern. Verlässlich. Vielfältig - unsere Ideen zur Probe (Arbeitskreis 'Gottesdienstlabor')

Weil jammern in Elias ohnehin nicht unser Ding ist und wir lieber gucken, was geht (auch mit weniger ‚Personal‘ ehren- wie hauptamtlich, und mit immer mehr an anderem, was eben zu tun ist) und was uns so einfällt, hat sich das Presbyterium seit dem letzten Herbst intensiv auf den Weg gemacht (beginnend mit der Klausur im Oktober) und über die Frage nachgedacht: Wie und wo und wann und überhaupt und so wollen wir in Elias Gottesdienst feiern?

Einzig die Frage nach dem „Warum“ hat sich uns nie gestellt, denn bei allem, was sich beobachten lässt, steht für uns doch fest: Wir feiern gern Gottesdienste, wir wollen die Vielfalt dessen, was gottesdienstlich zusammen auf dem Weg sein heißen kann, weiter entdecken, ausprobieren und uns dabei zugleich in Vertrautem bergen.

Intensiv weiter gearbeitet hat nach der Presbyteriumsklausur eine kleine Arbeitsgruppe mit dem großen Namen ‚Gottes-dienstlabor‘, besetzt mit PresbyterInnen und dem Pfarrteam mit folgenden Zielfragen:

· Welche neuen Gottesdienst-Formate kann es geben?

· Welche alternativen Zeiten sind ins Auge zu fassen?

· Was ist angesichts der personellen Situation „machbar“?

Erste Ergebnisse sind schon spürbar: „Elias stärkt sich“ als zusätzliches Gottesdienstangebot jeden dritten Freitagabend in Marten, die Einführung des neuen ‚Elias-Monatsliedes‘ – das reicht aber nicht für ein Gesamtkonzept. Das Gottesdienstlabor hat weiter überlegt und gebastelt und stellt jetzt ein solches Gesamtkonzept vor, das erstmal für ein Jahr zur Probe eingeführt werden soll. Die wesentlichen Grundzüge sind:

· Wir ändern gar nichts an der Zahl der stattfindenden Gottesdienste – wir vermeiden aber das ‚Drubbeln‘ auf dem Sonntag Vormittag (dazu unten mehr)

· Die gut eingeführten „Elias Gemeinsam“ Gottesdienste werden fortgeführt 

· Auch ‚Elias stärkt sich‘ besteht weiterhin

· Für Feste wie Weihnachten, Ostern, Pfingsten, etc. gelten Sonderregelungen

· Last, but not least: wir sind weiterhin offen für neue Formen, Zeiten, und Ideen!

Bitte unterstützen Sie unsere Anstrengungen – die ja in Ihrem Sinne sein sollen – durch Besuch der neuen Gottesdienste (s.o. „Abstimmung mit den Füßen“), aber natürlich auch durch Ihre Rückmeldungen an alle Mitglieder des Presbyteriums !

Konkret: Wie wird das am Wochenende?

Ganz einfach: Wir feiern weiter an jedem Elias-Standort an jedem Wochenende Gottesdienst – aber nicht länger zur quasi gleichen Zeit. Sondern wir versuchen, den unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht zu werden: Dem einen liegt der Sonntag Morgen, andere lieben gerade diese Zeit für ein ausgedehntes Frühstück, für Zeit mit der Familie oder gehen endlich mal in Ruhe zum Sport. Aber am Samstag Abend, da würden sie gerne mal zur Ruhe kommen, am frühen Abend, damit danach noch was möglich ist… Und wieder andere, die wünschen sich was für nachmittags, so dass man und frau noch im Hellen nach Hause kommt und vielleicht gibt’s auch mal Kaffee danach oder sogar Kuchen oder…

All diese Anregungen und Ideen und Bedürfnisse haben wir gehört und versucht umzusetzen. Das heißt:

Gottesdienst feiern wir beginnend mit dem Wochenende zum 1. Advent (02./03.12.2017), zunächst probeweise für ein Jahr, immer

samstags um 18.00 in Oespel,

sonntags um 10.00 in Marten und

sonntags um 15.00 in Dorstfeld.

Wie gewohnt können sich unsere Gemeindeglieder sowohl im Westkreuz als auch tagesaktuell auf unserer website www.elias-gemeinde.de informieren, welche Gottesdienstform wann wo ‚dran‘ ist. Auf der website können sich alle Interessierten außerdem für den Newsletter anmelden. Dann gibt es Aktuelles und die Gottesdienstangebote für den Monat – sogar frei Haus.

Damit besteht jetzt eine doppelte, nein sogar eine dreifache Möglichkeit zur Auswahl: a) ich bleibe an ‚meinem‘ Standort, da weiß ich verlässlich, wann Gottesdienst ist – und lasse mich überraschen, was kommt, b) ich wechsle die Standorte je nach bevorzugter und/oder passender Zeit oder meiner Lust auf ein bestimmtes Angebot oder c) ich kombiniere in fröhlicher Freiheit eines Christenmenschen alles miteinander.

Und so ist das jetzt für immer???!

Nein, nichts ist für die Ewigkeit, das wissen wir ja alle – wir planen maximal bis zur Wiederkunft Christi und/oder dem Ende der Volkskirche;)

Ernsthaft: Das Presbyterium hat beschlossen, dieses Modell zunächst für ein Jahr zur Probe einzuführen, also vom 1. Advent 2017 bis Ewigkeitssonntag 2018. Währenddessen und natürlich danach werden Erfahrungen, Rückmeldungen, Ideen gesammelt und ausgewertet. Und dann sehen wir weiter. Wie es dann weiter geht… Eines wissen wir gewiss: Es wird weitergehen – und wir werden weiter gerne Gottesdienste feiern.

Und wieso hat mich keine/r gefragt?!

Keine Sorge, wir haben gefragt und fragen weiter und sind gespannt auf Ihre und Eure Erfahrungen. Aber wir wollten ungern jahrelange Befragungen und Statistikbögen abwarten sondern ‚was machen‘, uns was trauen und was ausprobieren – und dabei, auf dem Weg, immer wieder, mit Ihnen und Euch einzeln, und den Gruppen und Kreisen und den Generationen und eben am liebsten allen ins Gespräch kommen über die Frage: Welchen Gottesdienst brauchst du? Welchen Teil deines Gottesdienst-Traums können wir gemeinsam in Elias anpacken?

Dazu stehen ab dem 1. Advent an jedem Standort Schatzkisten für Ihre und Eure Ideen – die Mitglieder im Gottesdienstlabor sind schon gespannt

Eine Bitte zum Schluss

Gebt dem Modell eine Chance, probiert aus, nehmt teil – und macht mit! Nur so können wir gemeinsam weiter gehen und Gottesdienste in Elias feiern, die Freude machen – in denen wir Gott dienen, wenn auch nicht auf dem Berg Sinai, sondern eben an unseren Elias-Orten Marten, Dorstfeld und Oespel-Kley und an denen wir uns an Gottes Dienst an uns freuen. Danke für euer und ihr Vertrauen!

Herzlichst,

Ihr Presbyterium der Elias-Gemeinde