Mit dem „Oscar“ auf Reisen

Seit vielen Jahren sind die Kinogottesdienste ein fester Bestandteil der Elias-Gottesdienstlandschaft im Dortmunder Westen. Nun ging es auf Reisen:
Die verantwortlichen Pfarrer Christian Höfener-Wolf, Susanne Karmeier und Hans-Peter Marker hatten sich überlegt: Was in Dortmund funktioniert, kann auch gut zum ökumenischen Kirchentag nach München passen. Der vorgeschlagene Kinogottesdienst wurde von einer Jury als Teil der Gottesdienstwerkstatt ausgewählt, zu der 50 von 300 eingereichten neuen und alternativen Gottesdienstmodellen zugelassen wurden.
Und so reiste eine Gruppe von 22 Menschen mit dem lebensgroßen Oscar von Marten und Kirchlinde in Richtung bayerischer Landeshaupstadt. Am Freitag abend um 21.30 Uhr begann dann der Gottesdienst mit Ausschnitten des amerikanischen Spielfilms "Das Beste kommt zum Schluss" mit Jack Nicholson und Morgan Freeman in der Himmelfahrtskirche in München-Sendling.
Zwei sehr unterschiedliche Männer (der eine Automechaniker, der andere mehrfacher Milliardär) verbindet dieselbe Diagnose: Krebs, nur noch sechs Monate zu leben. Nach dem ersten Schock erstellen beide eine "Löffelliste": Was wollen wir noch tun, bevor wir "den Löffel abgeben"?
Und sie machen sich auf den Weg, erleben Fröhliches und Trauriges und erkennen dabei nach und nach, was im Leben und im Sterben wirklich wichtig ist.

Die Band des Thomas-Mann-Gymnasiums München mit dem Oscar

Über 500 Menschen waren gekommen, darunter fast 80% Jugendliche, die Kirche war überfüllt und es wurde ein sehr bewegender, emotionaler Abend. Die Szenen des Films wurden in Beziehung gesetzt zu biblischen Texten und den Glaubens- und Lebensfragen der Menschen: Wie gehen wir um mit der Gewissheit, dass unsere Lebenszeit begrenzt ist? Wie sähe meine eigene "Löffelliste" aus?
Viele der Gottesdienstteilnehmer entzünden Kerzen am Taufstein für Menschen, die ihnen selbst am Herzen lagen, an die sie in diesem Gottesdienst dachten und nahmen sich eine Löffelliste mit nach Hause.
Eine Schülerband aus München begleitete den Kinogottesdienst musikalisch.
Und alle waren sich nachher einig: Ein wunderschöner Abend mit einem bewegenden Gottesdienst, traurig und tröstend zugleich.
Und mitten in der Nacht hatte dann noch Oscar selbst seinen großen Auftritt: Beim Ausstieg aus der U-Bahn jubelten ihm Hunderte von Jugendlichen zu und riefen: And the winner is ...Oscar!

Eindrücke vom 2. Ökumenischen Kirchentag in München 14. Mai 2010

Kathrin Koppe-Bäumer.
Abends lädt die Ökumenische Gottesdienstwerkstatt in die Himmelfahrtskirche in München-Sendling. Pfarrer, Kantor und Bigband aus Bauzen gestalten einen Jazz-Gottesdienst. Geige, Schalgwerk, E-Gitarre und viele Bläser gehören zur Band. Ein wendiger und charmanter Kantor erklärt: Die Bigband spielt und dazu singt die Gemeinde die Liedstimme. Aus voller Kehle muss der Gesang kommen, denn der Klang der Band ist riesengroß. Und elektrisiert die Gemeinde. Strahlende Gesichter, offene Münder und ein vitaler Gesang. "Gott berührt uns. Menschen brauchen offene Ohren und Sinne, um sich berühren zu lassen", legt der Bauzener Pfarrer einen Bibeltext aus. In München kommen die Bauzener mit ihrer Botschaft rüber.

Die Kirche wird umgebaut. Die Leinwand im Chorraum ist das optische Zentrum des nächsten Gottesdienstes. Kinogottesdienst spät am Abend mit dem Thema: "Das Beste kommt zum Schluss", ein bewegender Film mit Jack Nickolsen und Morgen Freeman über das Leben angesichts des Todes. Ein Team aus Dortmund und Iserlohn bietet in drei Ruhrgebietsgemeinden regelmäßig Kinogottesdienste an. Denn die Filme setzen in Bilder um, was Menschen bewegt, den Durst nach Glück, Frieden und Sinn. Verknüpft mit biblischen Texten und Gebeten kommen die Szenen des Films der aufmerksamen Gemeinde sehr nahe. Wer an einen besonderen Menschen denkt, darf eine Kerze entzünden und im Taufbecken aufstellen. Angerührt, traurig und getröstet ziehen sie anschließend raus in die Nacht, noch etwas essen, die U-Bahn erreichen, pünktlich ankommen im Quartier und etwas Schlaf finden, bevor der nächste Kirchentagstag anbricht.