30.03.2020 In diesen Tagen

Von Harriet Ellwein, Semarang, Indonesien, am 29.03.2020

Gib mir Dein Gehör,
Wenn es mir zu still wird in diesen Tagen,
Zu hören, wie die Vögel begrüßen den Dortmunder Morgen
Die lauten Grillen den javanischen Tag
Der Nachbarin Gesang zur Gitarre
Ich halte inne, lausche entrückt...

Gib mir Deine Nase
Wenn es mir übel wird in diesen Tagen
Zu riechen den Frühling und seine Blumen
Einzutauchen in den unverwechselbaren Geruch der Tropen
In die Düfte von Limette, Ananas und frisch gebratenen Bananen

Gib mir Deine Phantasie
Wenn es mir zu langweilig wird in diesen Tagen
Ein feines Rezept für die Suppe
Lieder auf der Trompete
Tanz vor dem Spiegel
Ratespiel mit den Kindern
Von Gedanken zu geschriebenen Worten

Gib mir Deine Hoffnung
Wenn es mir bang wird in diesen Tagen
Ein Lächeln, das die Tränen auffängt
Ein Blick statt Umarmung
Gemeinschaft von Herzen und Händen  
In Gebet und Gedanken und
Für das neue Gemüsebeet
gegen die Versorgungsnot

Gib mir Deine Weite,
Wenn es mir zu eng wird in diesen Tagen,
Durch Gebet und Meditation
Lass mich Deine Unendlichkeit spüren
In der Unendlichkeit meines inneren Seins
Mich mit den Vögeln in die Luft schwingen
Und in Gedanken über Berge und Täler schweifen

Gib mir Deine Weisheit
Die mich trägt durch diese Tage
Lass mich das Große im Kleinen erkennen
Und die Zeit danach in Deinem Sinne gestalten.

27.03.2020 Bleib gesund! Das macht mich krank (Kerstin Schiffner)

Bleib gesund! Das macht mich krank

25.03.2020 Grüße aus Gronau

'Unsere' ehemalige Sauer-Orgel Opus 915 ist in der Evangelischen Stadtkirche Gronau fertiggestellt, alle Orgelaufbau- und Intonationsarbeiten sind erfolgreich abgeschlossen.

Der Festtag der Sauer-Orgel, der am Palmsonntag (05.04.2020) stattfinden sollte, entfällt unter den gegebenen Umständen.
Ein neuer Termin wird rechtzeitig bekanntgegeben.

Kantor Tamás Szőcs richtet herzliche Grüße aus mit einer Hörprobe aus der 3. Orchestersuite von Bach "Air"

Weitere Klanghäppchen und Bilder von der Sauer-Orgel auf: www.orgelbauverein-gronau.de und www.facebook.com/SauerOrgelGronau/

24.03.2020 Die Welt nach Corona

Die Corona-Rückwärts-Prognose: Wie wir uns wundern werden, wenn die Krise „vorbei” ist.
Matthias Horx

Ich werde derzeit oft gefragt, wann Corona denn „vorbei sein wird”, und alles wieder zur Normalität zurückkehrt. Meine... ...weiterlesen

22.03.2020 Digitaler Einführung-Gottesdienst

Den Gottesdienst zur Einführung der neuen und Verabschiedung der alten Presbyter*nnen, den wir heute um 11 Uhr gemeinsam digital gefeiert haben, finden Sie hier

22.03.2020 10:00 Ökumumenischer Video-Gottesdienst

Um diese Geschichte aus dem Johannesevangelium (Kap. 9) geht es in unserem Video-Gottesdienst, sie ist Lesung und Grundlage für den Impuls:

1Im Vorübergehen erblickte Jesus einen von Geburt an Blinden. 2Da fragten ihn seine Schüler: „Rabbi, wer hat gesündigt, er oder seine Eltern, sodass er blind geboren wurde?“ 3Jesus antwortete: „Weder er hat gesündigt noch seine Eltern. Vielmehr sollten sich an ihm die Taten Gottes zeigen. 4Wir müssen die Taten dessen tun, der mich geschickt hat, solange es Tag ist. Es kommt die Nacht, da niemand etwas tun kann. 5Wann immer ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt.“ 6Nachdem er das gesagt hatte, spuckte er auf die Erde, machte aus der Spucke Schlamm, bestrich mit dem Schlamm seine Augen 7und sprach zu ihm: „Auf, wasch dich in der Teichanlage Schiloach!“ Das wird übersetzt mit „Gesandter“. Da ging er weg, wusch sich und kam sehend zurück.

8Da sagten die Nachbarn und die ihn vorher als Bettler gesehen hatten: „Ist das nicht der, der dasaß und bettelte?“ 9Einige sagten: „Das ist er.“ Andere sagten: „Nein, er ist ihm nur ähnlich.“ Er sagte: „Ich bin’s.“ 10Da sagten sie ihm: „Wie sind dir denn die Augen geöffnet worden?“ 11Er antwortete: „Der Mensch, der Jesus heißt, machte Schlamm, bestrich damit meine Augen und sprach zu mir: ‚Auf zum Schiloach und wasch dich!‘ Nachdem ich also hingegangen war und mich gewaschen hatte, konnte ich sehen.“ 12Da sprachen sie zu ihm: „Wo ist jener?“ Er sagte: „Ich weiß es nicht.“

13Sie brachten ihn zu den leitenden Pharisäern, den ehemals Blinden. 14Es war aber Sabbat an dem Tag, als Jesus den Schlamm gemacht und ihm die Augen geöffnet hatte. 15Da fragten ihn abermals auch diese Pharisäer, wie er sehend geworden wäre. Er aber sagte ihnen: „Schlamm hat er mir auf die Augen gelegt und ich habe mich gewaschen und sehe.“ 16Da sagten einige von diesen Pharisäern: „Nicht von Gott ist dieser Mensch, da er den Sabbat nicht hält.“ Andere sagten: „Wie kann ein sündiger Mensch solche Zeichen tun?“ Und es gab eine Spaltung unter ihnen. 17Da sagten sie wiederum zu dem Blinden: „Was sagst du dazu, dass er dir die Augen geöffnet hat?“ Er sprach: „Ein Prophet ist er.“

28Da beschimpften sie ihn und sprachen: „Du bist ein Schüler von dem da; wir aber sind Moses Schüler. 29Dass mit Mose Gott geredet hat, wissen wir. Von dem da jedoch wissen wir nicht, woher er kommt.“ 30Der Mensch antwortete und sprach zu ihnen: „Darin besteht ja das Erstaunliche, dass ihr nicht wisst, woher er kommt; und mir hat er doch die Augen geöffnet! ... 33Wenn dieser nicht von Gott wäre, könnte er gar nichts tun.“ 34Sie antworteten und sprachen zu ihm: „Du bist ganz und gar in Sünden geboren und willst uns belehren?“ Und sie jagten ihn hinaus.

35Jesus hörte, dass sie ihn hinausgejagt hatten. Nachdem er ihn gefunden hatte, sprach er: „Glaubst du an den Menschensohn?“ 36Jener antwortete und sprach: „Und wer ist es, Herr, sodass ich an ihn glauben kann?“ 37Jesus sprach zu ihm: „Du hast ihn doch gesehen; der mit dir redet, der ist es.“ 38Er sagte: „Ich glaube, Herr.“ Und er fiel vor ihm nieder.

Was denkt ihr: Wo ist unsere Blindheit? Wo brauchen wir neues Sehen, geöffnete Augen? Ein paar meiner Ideen dazu sag ich - und freue mich, wenn ihr mir eure schreibt, per Messenger oder auch als Mail: kerstin.schiffner[at]elias-gemeinde.de

Einen gesegneten Sonntag, eure Kerstin

22.03.2020 GEBET

Gott,
es ist merkwürdig, wie wir Menschen so ticken. Du weißt das, denn Du hast uns gemacht und bist selbst Mensch geworden. Unser Wunsch, etwas Bestimmtes zu tun, wird dann größer, wenn es uns verboten wird. Auf einmal will ich möglichst viel rausgehen und Leute treffen, obwohl ich sonst auch gern einfach in meiner Wohnung bin. Auf einmal will ich unbedingt in die Kirche gehen und Gottesdienst feiern, obwohl ich mich sonst manchmal sehr schwer aufraffen kann.

Du hast uns Menschen einmal einen Baum direkt vor die Nase gesetzt und gesagt, wir dürften nicht von ihm essen. Natürlich taten wir es da erst recht. Baum der Erkenntnis. Mit Früchten, die klug machen. Klug genug, damit wir wissen, was richtig ist und was falsch. Heute ist es falsch, dass wir uns treffen und Gottesdienst feiern in einer Kirche.

Darum versammeln wir uns hier und an vielen virtuellen Orten und beten zusammen zu Dir: Bewahre uns! Stärke uns! Lass uns einander aus der Ferne Gutes tun. Und die, die anderen direkt helfen durch Essen verkaufen, durch Wichtige Sachen bringen, durch Pflege … all die segne mit besonderer Kraft und mit Gesundheit.

Amen

(Frank Muchlinsky, coronagebet.evangelisch.de, 22.03.20, 06.28)

21.03.2020 Meine Seele hat es eilig.

Ich habe meine Jahre gezählt und festgestellt, dass ich weniger Zeit habe, zu leben, als ich bisher gelebt habe.

Ich fühle mich wie dieses Kind, das eine Schachtel Bonbons gewonnen hat: die ersten essen sie mit Vergnügen, aber als es merkt, dass nur noch wenige übrig waren, begann es, sie wirklich zu genießen.

Ich habe keine Zeit für endlose Konferenzen, bei denen die Statuten, Regeln, Verfahren und internen Vorschriften besprochen werden, in dem Wissen, dass nichts erreicht wird.

Ich habe keine Zeit mehr, absurde Menschen zu ertragen , die ungeachtet ihres Alters nicht gewachsen sind. Ich habe keine Zeit mehr, mit Mittelmäßigkeiten zu kämpfen. Ich will nicht in Besprechungen sein, in denen aufgeblasene Egos aufmarschieren. Ich vertrage keine Manipulierer und Opportunisten. Mich stören die Neider, die versuchen, Fähigere in Verruf zu bringen, um sich ihrer Positionen, Talente und Erfolge zu bemächtigen.

Meine Zeit ist zu kurz um Überschriften zu diskutieren. Ich will das Wesentliche, denn meine Seele ist in Eile. Ohne viele Süßigkeiten in der Packung.

Ich möchte mit Menschen leben, die sehr menschlich sind. Menschen, die über ihre Fehler lachen können, die sich nichts auf ihre Erfolge einbilden. Die sich nicht vorzeitig berufen fühlen und die nicht vor ihrer Verantwortung fliehen. Die die menschliche Würde verteidigen und die nur an der Seite der Wahrheit und Rechtschaffenheit gehen möchten. Es ist das, was das Leben lebenswert macht.

Ich möchte mich mit Menschen umgeben, die es verstehen,   die Herzen anderer zu berühren. Menschen, die durch die harten Schläge des Lebens lernten, durch sanfte Berührungen der Seele zu wachsen.

Ja, ich habe es eilig, ich habe es eilig, mit der Intensität zu leben, die nur die Reife geben kann.
Ich versuche, keine der Süßigkeiten, die mir noch bleiben, zu verschwenden. Ich bin mir sicher, dass sie köstlicher sein werden, als die, die ich bereits gegessen habe.

Mein Ziel ist es, das Ende zufrieden zu erreichen, in Frieden mit mir, meinen Lieben und meinem Gewissen.

Wir haben zwei Leben und das zweite beginnt, wenn du erkennst, dass du nur eins hast.

„Meine Seele hat es eilig“ von Mario de Andrade (San Paolo 1893-1945), Dichter, Schriftsteller, Essayist und Musikwissenschaftler. Einer der Gründer der brasilianischen Moderne.

20.03.2020 BESINNUNG in besonderen Zeiten

Die Erde wehrt sich
Gerard Minnaard, Woltersburger Mühle, Uelzen

Joachim Löw:
„Die letzten Tage haben mich sehr nachdenklich gestimmt. Die Welt hat ein kollektives Burnout erlebt. Ich habe das Gefühl, dass sich die Erde gegen die Menschen stemmt. Das Tempo, das wir Menschen vorgegeben haben in den letzten Jahren, war nicht mehr zu toppen. Machtgier stand im Vordergrund, Katastrophen haben uns nur am Rande berührt. Jetzt erleben wir was, was jeden einzelnen Menschen betrifft. Jetzt stellen wir fest, dass wir auf wichtige Dinge schauen müssen, was im Leben wirklich zählt: Respekt untereinander! Dass wir in Zukunft noch respektvoller miteinander umgehen.“

Klasse. Besser kann man es nicht sagen. Hoffentlich hat diese Sichtweise Konsequenzen, wenn die Krise vorbei ist.

Die Erde stemmt sich gegen die Menschen.
Das Tempo war nicht mehr zu toppen.
Machtgier stand im Vordergrund,
Katastrophen haben uns nur am Rande berührt.


Was Jogi Löw sagt, ist eine Interpretation dessen, was passiert. Ein Virus spricht nicht. Ein Virus sagt nicht, warum es da ist und sich ausbreitet. Gestern war ich auf dem Fahrrad unterwegs und habe die ersten, neuen Blüten gesehen. Auch das ist die Natur. Und auch eine neue Blüte hat von sich aus keine Botschaft.

Das heißt: Wir müssen die Zeichen verstehen.
Corona ist eine Katastrophe.
Eine Warnung.
Ein Zeichen, dass wir uns ändern müssen.

Die Erde stemmt sich gegen die Menschen.
Das Tempo war nicht mehr zu toppen.

    Wir müssen entschleunigen.
    Wir sollten beim Sport nicht nur die Tore, die Minuten und die Zentimeter zählen, sondern auch das menschliche Verhalten.
Machtgier stand im Vordergrund.
    Wir müssen weg vom Geld als Zentrum des Lebens.
    Wir sollten mit den täglichen Börsennachrichten im Fernsehen aufhören.
Katastrophen haben uns nur am Rande berührt.
    Wir müssen verstehen, dass auch reiche Inseln nicht überleben werden.
    Wir sollten uns nicht länger abschotten vor den Problemen in Griechenland.

Jogi Löw deutet das, was passiert, und sagt: Die Erde wehrt sich.

Die Bibel fängt an mit der Schöpfungserzählung. Auch sie ist eine Deutung.
Die Schöpfungserzählung deutet die Natur als Zukunftsmusik.
Ich schließe ab mit einigen Sätzen in einer eigenen Übertragung:

Im Prinzip
das heißt: von Anfang an gilt:
Humanität schafft einen geschützten Raum

Humanität:
ein Licht geht auf
Licht in finsteren Zeiten    das ist gut!

Chaos muss weichen
Die Erde:
ein Ort zum Leben
unter dem Himmel            
das ist gut!

Die Erde – alles grün         das ist gut!

Die Tiere
von klein bis groß
Gesegnete Wesen                das ist gut!

Die Menschen,
Humanität ins Gesicht geschrieben,
Frauen und Männer,
Gesegnete Wesen                das ist sehr gut!

Es ist alles da
Leben ist möglich
Der siebte Tag
ein gesegneter Tag
                                              Das ist es.
                                              Feierabend
                                              !

 

19.03.2020 GEBETE 'MITTENDRIN' - Einladung zum Innehalten mitten im Nicht-Alltag

Seit ihren Anfängen hat die Kirche Wege gesucht, mitten im Alltag innezuhalten und dem Gespräch mit Gott Raum zu geben. In der klösterlichen Tradition ist dies weiterentwickelt worden zu den Tagzeitengebeten/Stundengebeten zu festen Zeiten. Aus der Alten Kirche haben die Hymnen dieser Stundengebete zu uns gefunden - und laden auch heute dazu ein: Halte kurz inne, mach Stop mitten in dem, was du gerade tust, wahrscheinlich anders als dein Alltag sonst - und nimm dir diesen Moment als Zeit fürs Gebet. Vielleicht tut es dir gerade in diesen so unruhigen, für uns neuen Zeiten gut, dich bewusst 'anzudocken' an diese ganz alten Worte, fremd in vielem; in ihnen kannst du dich bergen, so wie schon Generationen vor uns.

1, Zur Laudes, 06.00

Zur Laudes, 6.00

4, Zur Non, 15.00

Zur Non, 15.00

2, Zur Terz, 9.00

Zur Terz, 9.00

5, Zur Vesper, 18.00

Zur Vesper, 18.00

3, Zur Sext, 12.00

Zur Sext, 12.00

6 Zur Komplet, 21.00

Zur Komplet, 21.00

18.03.2020 HERZENSGEBET - jede*r zuhause und doch verbunden

Das Herzensgebet (oder komplentative Gebet) ist eine Form des Betens ohne Worte, die die Kirche seit ihren Anfängen kennt.

Sonst treffen wir uns in Elias im Raum der Stille oder der Fine Frau - in diesen Zeiten ist jede*r eingeladen, das Herzensgebet für sich zuhause zu praktizieren. Dazu gibt es hier eine kurze Einführung ins Herzensgebet sowie zwei erprobte Formulierungen, die ins konkrete Beten führen.

In einer WhatsApp-Gruppe sind diejenigen von uns, die dazu Lust haben, miteinander verbunden und können sich so zum gemeinsamen, heißt: zeitgleichen, Beten verabreden.

Herzliche Einladung noch dazuzukommen: einfach #Herzensgebet an Kerstin Schiffner (0177-5376470).

Gebet zur Einstimmung (Dag Hammarskjöld zugeschrieben)

Hinführung Herzensgebet

Klangschale zum Ende des Herzensgebetes

Herzensgebet, was ist das Eigentlich? Eine Einführung für Neugierige

"Verbundenheit aus der Ferne" Gedanken in diesen besonderen Zeiten

Von Harriet Ellwein, Semarang, Indonesien, am 18.03.2020

"Andrá tutto bene – alles wird gut". Mit diesen Worten machen sich die Italiener in ihren Sperrgebieten gegenseitig im Netz Mut. Und ich kann mich gar nicht sattsehen an den Bildern, wie junge und alte Leute, Familien mit Kindern und Alleinstehende mit Gitarren und Lauten, mit Topfdeckeln und Pfannen auf ihren Balkonen stehen, singen und Musik machen.

Sie machen mir auch Mut!

Als ich Anfang Februar aus Dorstfeld nach Indonesien zu meinem Mann und in unser Haus in Semarang gefahren bin, war ich ein bisschen traurig, meine Dortmunder Freund*innen und Netzwerke zu verlassen. Ich hatte mich gerade sehr wohlgefühlt.

Und es war dieses Mal gar nicht so einfach, wieder Fuß zu fassen. Die Regenzeit brachte Einschränkungen in der Bewegungsfreiheit, z.B. beim morgendlichen Joggen, und viele Mücken. Und die hiesigen Freund*innen schienen gerade beschäftigt, so dass ich viel alleine war und mit mir selbst klarkommen musste. Das war gar nicht immer so einfach!

Ein wenig Trost habe ich in einer Meditationsgruppe in einem buddhistischen Tempel gefunden, wo sehr sympathische Menschen aller Altersgruppen und mehrerer Religionen (Buddhisten, Christen, Muslime) jeden Freitagabend gemeinsam auf Kissen sitzen und miteinander Atem- und Geh-Meditation machen. Manchmal kommen auch Weißgesichter dazu (solche wie ich), meistens Franzosen. Und der Tempel ist so groß, dass die Kissen in Zukunft auch auf zwei Meter Abstand gehen können.

Ich gehe auch (noch) sonntags in die ehemalige niederländische, evangelische Immanuelkirche zum indonesischen Gottesdienst, aber da treffe ich nur die für mich zuständige Dame von der Einwanderungsbehörde; eine Gemeinschaft, eine Gemeinde, habe ich dort noch nicht gefunden.

Und in diese Phase von Selbstmitleid und Traurigkeit kommen die Nachrichten aus Deutschland – keine Gottesdienste, keine beruflichen Veranstaltungen, kein Kino, keine VHS, kein Museum, kein Fitnessstudio, kein gemeinsames Fußballgucken im Stadion oder in der Kneipe……All das, was das Alltagsleben ausmacht und strukturiert – mit Ausnahme von Arbeit und Spazierengehen vielleicht – ist auf einmal nicht mehr da. Für meine Freund*innen, meine ehemaligen Kolleg*innen, für die Gemeinde, für alle!

Eine Freundin aus Dortmund schrieb mir, dass sie sich kaum mehr mit Menschen trifft und auch nicht ins Sauerland zum 78. Geburtstag ihrer Mutter fährt. In München wurde vor ein paar Tagen mein erstes Enkelkind geboren. Die stolzen Eltern haben es bisher ausschließlich über Fotos und Videos ihren Familien und Freund*innen vorgestellt. Sie schotten sich erst einmal total ab!

Was macht das mit uns allen in einer Zeit, in der sich unsere Gesellschaft ohnehin immer mehr individualisiert und auch entsolidarisiert? In der es ohnehin schon so viel Einsamkeit gibt? In der Trauercafé, Fastengruppe oder der Chor so wichtig für die vielleicht vermisste Gemeinschaft sein können?

In diese düsteren Gedanken hinein erreichte mich auf einmal die Tonnaufnahme von Kerstin Schiffner’s Predigt für den ausgefallenen Tafel-Gottesdienst vom 15.3. Und …..das singende Italien! Auf einmal fühlte ich mich ganz nah. 12.000 Kilometer Entfernung schienen wie weggeblasen – zu den unbekannten Balkon-Chören in Siena oder Neapel und zu Dortmund und den bekannten Menschen, die ich vielleicht am letzten Sonntag beim Gottesdienst zum „Teilen lernen“ getroffen hätte.

Zwei Dinge sind mir dabei klargeworden:

Ich weiß auf einmal, wie gut ich es hier habe. So ich es selbst will, kann ich noch schwimmen gehen, im Restaurant essen, mich mit Menschen treffen. Das Corona-Virus liebt die heißen Tropen nicht so. In diesem Land mit seinen 260 Millionen Einwohner*innen gibt es offiziell noch keine 200 Fälle und kaum zehn Tote (allerdings sterben landesweit täglich über 100 Menschen an Tuberkulose, was keine Nachrichtenzeile wert ist). Gegen Corona sind schnellere und intensivere Maßnahmen ergriffen worden als ich das aus Deutschland beobachte. So sind die meisten Schulen schon geschlossen….., und wer als Ausländer*in hier einreist, muss ab sofort ein Attest vorlegen. Die (natur-)katastro-phenerprobten Indonesier*innen signalisieren zumeist Gelassenheit und begegnen auch schlimmsten Nachrichten mit einem wunderschönen Lächeln. An einigen Orten finden im größten islamischen Land der Welt gemeinsame Gebete der Religiongemeinschaften statt, um zusammen dem Virus mit Stärke zu begegnen.

Und: Vielleicht müssen wir uns es immer wieder alle selbst neu erklären: Jede noch so unangenehme Situation bietet auch neue Chancen: Isolation und Einsamkeit mit neuer Innerlichkeit zu füllen und andere Formen der Gemeinschaft zu suchen.

So bete ich für uns alle hier in Indonesien und im fernen Europa: Lieber barmherziger Gott, mögest Du uns die Kraft und Stärke geben, in uns und mit uns im Reinen zu sein, in uns selbst Ruhe und Ausgeglichenheit zu finden und nicht in Panik zu geraten. Schenke uns das richtige Augenmaß für die drohenden Gefahren und …… ein entspanntes Lächeln.

Ewige, öffne uns die Augen für die Möglichkeiten, Miteinander und Gemeinschaft, Gemeinde, neu zu erfinden. Gib uns die Kreativität, die wir brauchen, um in anderen Formen miteinander in Kontakt zu treten, uns von unseren Sorgen und Hoffnungen zu erzählen und gemeinsam Brot zu brechen und Wein zu trinken.

Weise uns den Weg zu innerer Stärke, Barmherzigkeit für unsere Mitmenschen und neu erlebter Gemeinschaft über alle Grenzen und Entfernungen hinweg.

Damit wir selbstbewusst sagen können: "Andrá tutto bene – alles wird gut!"

Amen!

17.03.2020 MUSIK zum Genießen, in die Stille kommen

Romantic Feelings von Hans Günther Heumann

15.03.2020 LESUNG (Pfarrerin Dr. Kerstin Schiffner)

Lesung Ex 16, Gütersloher Erzählbibel

- gespielt von Arline Klein

Arioso in h-moll von Friedrich II

15.03.2020 PREDIGT (Pfarrerin Dr. Kerstin Schiffner)

Predigtimpuls zu Ex 16